Chronik - Teil 2

Der Karneval steht im Kalender, er ist so eine Art fünfte Jahreszeit. Und doch ist der Karneval kein Naturereignis, denn manches, was in den tollen Tagen geschieht, ist von langer Hand geplant. Der Karneval ist nämlich immer auch ein Stück Vereinsleben, er ist eine Sache aller Mitglieder. Denn das, was die einen im Vorstand planen, läßt sich eben nur verwirklichen, wenn die anderen mitziehen, mitmachen. So ist denn diese kleine Geschichte der ESSENER PRINZENGARDE gleichzeitig auch eine Danksagung an die vielen hundert Mitglieder, die der ESSENER PRINZENGARDE seit ihrem Bestehen angehörten oder noch angehören. 

Essens Karneval hat Tradition in den Stadtteilen beiderseits der Ruhr. Aber auch an der Berne, für Zugereiste: das ist jener längst vergessene und ganz im Untergrund der Stadt verschwundene kleine Fluß, an dem das alte Essen lag, gedieh schon im 19. Jh. der Karneval. Allerdings längst nicht so überschäumend wie in den rheinischen Nachbarstädten. Es waren dann auch Zugereiste aus dem Rheinland, die in der Altstadt Essens den Karneval so recht in Schwung brachten. Gemeint sind jene Reichsbahner aus Köln, die 1895 an die neue Reichsbahndirektion Essen versetzt wurden. Sie mochten den Kölner Karneval nicht missen. 

Ein verständliches Verlangen, zumal sie sich in Essen ja weiterhin auf rheinischem Boden befanden. 

Der Karneval der Essener Altstadt wurde um die Jahrhundertwende repräsentiert durch die "Essener Karnevalsgesellschaft". Gereon Schiller war ihr aktiver Präsident. Er stellte den Essener Karneval auf kräftige Narrenbeine. Gefeiert wurde im Saalbau, der damals noch ein Holzbau war. 1905 wurde er durch einen Neubau, der der Stolz aller Essener war, ersetzt. Essens Narren hatten jetzt ihre Hochburg.

1909 hatte sich die "Große Essener" aufgelöst und an ihre Stelle trat die "Essener Bürger-Karnevalsgesellschaft". Ihr erster Präsident: Rudi Burghardt.

Es sollten noch Jahre vergehen, bis Essen endlich einen großen Rosenmontagszug bekam. Für das närrische Volk ist er der Höhepunkt. Der Karneval beherrscht die Straßen, 1928 war es in Essen soweit. Ein Zug, ein Prinz, aber keine Leibgarde für "Seine Tollität". Die Bürger-Karnevalisten sorgten für Abhilfe. Jean Offermann rief, und es meldeten sich viele Freiwillige. Der erste Kommandant der neuen Prinzengarde war Willi Baumeister.

Schwere Zeiten 1928. Wirtschaftskrise. Die "Essener Bürger-Karnevalsgesellschaft" löst sich auf. An ihre Stelle tritt als selbständige Karnevalsgesellschaft die ESSENER PRINZENGARDE.

Der erste Präsident: Barthel Schmitz, der neue Kommandant: Georges Roth.

Die unruhigen Zeiten übertrugen sich auch auf das karnevalistische Leben.

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